Zeitraffer Workflow

DRI/HDR-Bilder, Zeitraffer, Bilder mit extremer Tiefenschärfe, Stereobilder

Zeitraffer Workflow

Beitragvon c_joerg » 29.02.2016, 13:13

Hallo,

ich möchte in diesem Beitrag einmal meinen Workflow für die Erstellung von Zeitraffern aufzeigen.

Grundsätzliche erstelle ich alle meine Zeitraffer mit dem CHDK Script rawopint.
http://forum.chdk-treff.de/viewtopic.php?f=7&t=3490

Bei der Bildverarbeitungssoftware ist es wichtig, das sie ‚Batchfähig‘ ist, d.h. Einstellungen die für ein Bild gemacht wurden, lassen sich auf eine ganze Serie von Bilder übertragen.

In der Vergangenheit habe ich meine Zeitraffer immer nur aus den JPG‘s meiner Kamera erstellt. Die anschließende Nachbearbeitung fand in IrfanView statt. Alle Einstellungen lassen sich in einer INI Datei abspeichern. Dies wäre auch weiterhin meine Empfehlungen, wenn man sich auf JPG’s beschränken will.

Ich habe mich auch mit anderen Programen beschäftigt:
Mit Gimp bin ich nicht richtig warm geworden. Ich empfand es als unübersichtlich und schwer verständlich.

Auch mit Canon DPP (Digital Photo Professional) habe ich mich beschäftigt, da sie bei den meisten meiner Kameras mitgeliefert wird. Die Einstellungen werden dort in ‚Rezepten‘ gespeichert. Allerdings nicht alle. Beschneidungen (Crop) und Bildwinkel eben nicht. Damit ist es für meine Anforderungen eigentlich nicht zu gebrauchen da nicht vollständig ‚Batchfähig‘.

Letztendlich kommt man bei der Erstellung von qualitativ hochwertigen Zeitraffern um eine RAW Verarbeitung nicht um zu. Gerade bei Sonnen Auf- und Untergängen ist die Dynamik der Szene so groß, das die Ergebnisse der JPG’s aus der Kamera meist unbefriedigend sind.

Letztendlich bin ich jetzt bei einer gebrauchten Adobe Lightroom 5.7.1 gelandet. Eine wesentliche Entscheidung hierfür war, dass die Einstellungen (Metadaten) in einer lesbaren XMP Datei abgespeichert werden. Nach anfänglicher Skepsis mit Adobe Produkten möchte ich das Programm jetzt nicht mehr missen.


Grundsätzlich arbeite ich bei der Erstellung des Videos immer noch mit VirtualDub wie hier beschrieben:
http://forum.chdk-treff.de/viewtopic.php?f=17&t=372
Allerdings erstelle ich mit VirtualDub nur ein unkomprimiertes AVI Video, weil der dort beschrieben Video-Codec zum Teil doch relativ viel Artefakte liefert. Dies ist nicht immer der Fall, aber gerade auf unruhigen Wasseroberflächen doch sehr schlimm.

Ich habe dann viel mit Video-Codecs experimentiert. Der ‚Freemake Video Converter‘ ist nicht schlecht, weil man mit ihm auch Videos scheiden kann, aber auch dieser Converter liefert bei der höchste Bitrate Artefakte. Außerdem meckert YouTube jedes Mal beim Hochladen, das das Video Format nicht Streaming fähig ist.

Letztendlich konvertiere ich meine Videos mit ffmpeg wie hier beschrieben:
https://trac.ffmpeg.org/wiki/Encode/YouTube
Dies liefert aus meiner Sicht die besten Ergebnisse.

Zusätzlich experimentiere ich noch mit Adobe Premiere. Auch dieser Codec ist deutlich besser als die anderen, die ich bisher hatte. Allerdings konnte ich zwischen ffmpeg und Adobe Premiere keine größeren Unterschiede feststellen.

Erwähnen möchte ich hier noch das VirtualDub Plugin MSU Deflicker.
http://www.compression.ru/video/deflicker/index_en.html
Selbst mit rawopint gibt es unter ungünstigen Umständen noch ein leichtes Flickern, das sich mit diesem Plugin restlos entfernen lässt.

Das Zoomen realisiere ich auf eine sehr einfache Weise. Ich verändere einfach nur sehr kontinuierlich den Bildausschnitt von der vollen Kameraauflösung bis runter zu 1920*1080 Pixel. Dies mache ich mit MATLAB, einer mathematisch / technischen Script Sprache. Der Code sieht dann so aus:

Code: Alles auswählen
% Read picture
% 'picture' is a 3 dimensional matrix
picture = imread('IMG_0001.jpg');
% crop picture
picture_zoom = (y1:y2,x1:x2,1:3)
% rezise picture to HD
picture_HD=imresize(picture_zoom,[1080 1920],'lanczos3');
% write picture to file
imwrite(picture_HD,'IMG_0001_HD.jpg','jpg','Quality',100)


Letztendlich muss man jetzt nur noch x1, x2, y1 und y2 berechnen.

Andere ‚Lapser‘ rendern ihr Video in 4K und lassen die Kamerafahrt in einer Videosoftware durchführen.


Zukünftig möchte ich das Zoomen bereits bei der RAW Entwicklung wie folgt durchführen:
1) Den Bildausschnitt des ersten Bildes in Lightroom festlegen und in der XMP Datei speichern.
2) Den Bildausschnitt des letzten Bildes in Lightroom festlegen und in der XMP Datei speichern.
3) Mit einem smarten ‚Search and Replace‘ Programm die dazwischen liegenden XMP Dateien so verändern, das sich der Ausschnitt kontinuierlich verändert.

Ähnliches schwebt mir auch beim Deflickern vor, in dem man das Flickern bereits bei der RAW Entwicklung kompensiert.

Grüße Jörg
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Re: Zeitraffer Workflow

Beitragvon msl » 02.03.2016, 16:31

Hallo Jörg,

vielen Dank für die umfangreichen Informationen. Das ist sehr hilfreich.

Hast du bei der RAW/DNG-Bearbeitung evt. auch RawTherapee angetestet? Canon DPP gibt es ja nur für Kameras mit nativer RAW-Unterstützung und Lightroom ist auch eine Kostenfrage. Da wäre der Einsatz einer Open-Source-Lösung nicht schlecht.

Gruß msl
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Re: Zeitraffer Workflow

Beitragvon c_joerg » 02.03.2016, 17:23

Hallo msl,

Hast du bei der RAW/DNG-Bearbeitung evt. auch RawTherapee angetestet?


Nein, habe ich bisher nicht. Wollte ich aber immer nochmal machen. Aber so ein Test verschlingt ja nun doch immer so einiges an Zeit. Auch habe ich aus zeitlichen Gründen noch nie ein DNG entwickelt… aber das steht auch noch auf meinem Plan…

Weitere Gründe die für mich und Lightroom gesprochen haben:
1) Ich hatte schon mal einen Photoshop Kurs und die RAW Entwicklung ist identisch.
2) Ich möchte gern mal ‚lrtimelapse‘ Testen und das arbeitet nur mit Lightroom zusammen.
3) Man bekommt hat sehr viel Informationen bei dem Thema ‚Lightroom‘ und ‚Zeitraffer‘

Die 35€ für eine gebrauchte Lightroom 5.7.1 find ich jetzt auch nicht überzogen.

Grüße Jörg
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